Musiktheoretische Schriften Richard Wagners

Übersicht über die hier verfügbaren Schriften Wagners:
Einleitung von "Oper und Drama"
Vorwort zur Herausgabe der Ring-Dichtung

Richard Wagner war nicht nur auf kompositorischem Gebiet aktiv, sondern auch auf musiktheoretischem. In seinen späteren Musikdramen (ab dem "Ring"), verfolgte er ein künstlerisches Ideal von der Verschmelzung von Musik und Dichtung zu einem Gesamtkunstwerk (unter Einbeziehung anderer Künste wie der Regie, Bühnenbild-Malerei und Schauspielerei).

Alle Künste sollten sich dem Drama unterordnen, auch die Musik, da das Drama der Zweck, das Darzustellende war und es war nicht, wie in der herkömmlichen Oper, die Musik, nach der sich die Handlung zu richten hatte. Wagners nachvollziehbarer Meinung nach führte diese Umkehrung der Verhältnisse zu inhaltslosen Aneinanderkettungen von Musiknummern. (z.B. war es in der Pariser Großen Oper zu der damaligen Zeit üblich, nach der ersten Pause ein Ballett zu zeigen, egal ob es in die Handlung paßte oder nicht. Das Ballett durfte allerdings auf keinen Fall am Anfang des ersten Aufzuges stehen, da viele Besucher der Oper, die nur das Ballett sehen wollten, gewöhnlich zu spät kamen, weil sie noch in Ruhe zu Abend essen wollten. - Dies nur ein Extrembeispiel.)

Wagner schritt energisch gegen diese Mißstände ein, die die Kunst zur bloßen Unterhaltung degradierten und stellte das Kunstwerk, nicht den Geschmack des Publikums an erste Stelle.
Um diese neue Kunstauffassung von der alten abzugrenzen, und auch um die führende Rolle des Dramas in Wagners Werken zu betonen, nennt man besonders die späteren Werke Wagners "Musikdramen", ein Begriff, der zwar nicht in Wagners Sinne lag, sich aber eingebürgert hat (zu diesem Thema gibt es eine interessante Stellungnahme Wagners in Hannu Salmis Richard-Wagner-Archiv).

Seine Reform der Oper und anderes mehr legte Wagner in seinem musiktheoretischen Hauptwerk "Oper und Drama" dar, das er schrieb, als er aus Dresden geflüchtet war (wegen Mitwirkung beim Dresdner Aufstand 1849 im Gefolge der 48'er-Revolution). Zu dieser Zeit hatte er den Lohengrin vollendet und beschäftigte sich gedanklich mit dem "Ring", so daß das "Rheingold" das erste Werk nach der Darlegung seiner Theorie in "Oper und Drama" war.

Auf dieser Seite ist die Einleitung des ersten Teiles (und damit des Gesamtwerkes) von "Oper und Drama" zu finden. In knappen Worten schildert Wagner in ihr die Misere der damals aktuellen Kunstform "Oper".

Als sich Wagner intensiver mit dem "Ring" beschäftigt hatte und voraussah, daß kein Theater Europas dieses viertägige Riesenwerk in würdigem Rahmen würde aufführen können, festigte sich bei ihm die Idee von "Musik-Festspielen", an denen er den "Ring" aufführen wollte. Er plante, eigens ein Theater für diese Festspiele zu bauen, von dem aus ein Reformimpuls auf das ganze Opernwesen seiner Zeit ausgehen sollte.
Anläßlich der Veröffentlichung der Dichtung des "Rings" (dessen Komposition damals [1863] noch nicht abgeschlossen war) schilderte Wagner in einem Vorwort seinen Plan. Deutlich begründet er in ihm die später in Bayreuth verwirklichte Festspielidee. Man lese und staune! Anders als heute oft angenommen wird, sollte Bayreuth nicht der Selbstbeweihräucherung Wagners dienen, sondern es schwebte Wagner vor, dort auch maßgebliche Werke anderer Künstler aufzuführen, die durch eine Art Preisausschreiben ausgewählt würden.


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